Der dritte Polizist von Flann O’Brien ist ein faszinierendes Werk der irischen Literatur, das 1939-1940 geschrieben, aber erst 1967 posthum veröffentlicht wurde. Der Roman ist bekannt für seine komplexe Erzählstruktur und die Verwendung von Metafiktion, die den Leser immer wieder auf die Fiktionalität der Handlung hinweist. Die Geschichte spielt in einer surrealen Welt, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod, Realität und Illusion verschwimmen.
Die Handlung folgt einem namenlosen Ich-Erzähler, der sich in einen Mordfall verwickelt sieht. Nach einem mysteriösen Unfall, bei dem er sich das Bein bricht, wird er mit einer Holzprothese ausgestattet und begibt sich auf die Suche nach einer verschwundenen Geldkassette. Diese Kassette gehört einem ermordeten Mann namens Mathers, dessen Geist ihn auf seiner Reise begleitet. Auf seinem Weg trifft der Erzähler auf zwei bizarre Polizisten, Sergeant Pluck und Wachtmeister MacCruiskeen, die eine obsessive Vorliebe für Fahrräder haben und absurde Theorien über deren Einfluss auf Menschen entwickeln.
Ein zentrales Element des Romans ist die geheimnisvolle Substanz „Omnium“, die in der Kassette vermutet wird. Omnium hat die Fähigkeit, alles zu werden, was man sich wünscht, und symbolisiert somit auch den menschlichen Wunsch nach Macht und Kontrolle. Die Polizisten im Roman scheinen in einer Welt gefangen zu sein, in der physikalische Gesetze nicht mehr gelten; sie diskutieren über den Austausch von Atomen zwischen Menschen und Fahrrädern und entblößen damit die Absurdität ihrer Existenz.
O’Brien nutzt auch den fiktiven Wissenschaftler de Selby, um satirisch auf akademische Theorien und deren oft absurde Komplexität zu reflektieren. Die Fußnoten zu de Selbys Arbeiten sind oft länger als der Haupttext und bieten philosophische Exkurse, die den Leser zum Nachdenken anregen.
Der Roman endet in einem sich wiederholenden Zyklus: Der Ich-Erzähler kehrt zur Polizeistation zurück und trifft erneut auf Pluck, wobei die Ereignisse sich wie ein nie endender Kreislauf wiederholen. Diese Struktur verstärkt das Gefühl von Verwirrung und Absurdität und lässt den Leser mit Fragen über Identität und Realität zurück.
Insgesamt ist Der dritte Polizist ein Meisterwerk des Absurden, das mit seinem scharfen Witz und seiner tiefgründigen Philosophie sowohl unterhält als auch herausfordert. O’Brien gelingt es, eine Welt zu schaffen, in der nichts sicher ist und alles möglich erscheint.
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