Die schöne des Herrn

Die Schöne des Herrn von Albert Cohen ist ein bedeutender Roman, der 1968 veröffentlicht wurde und als dritter Teil seiner Romantetralogie gilt. Die Geschichte spielt in den 1930er Jahren und folgt den leidenschaftlichen und tragischen Beziehungen zwischen Solal des Solal, einem jüdischen Diplomaten beim Völkerbund, und Ariane d’Auble, der Frau eines seiner Kollegen.

Solal ist ein charismatischer und reicher Mann, der in Genf lebt und von einer tiefen inneren Einsamkeit geprägt ist. Seine Herkunft als Sephardischer Jude und seine Position im Völkerbund spiegeln die politischen Spannungen und die gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit wider. Ariane, die aus einer wohlhabenden protestantischen Familie stammt, führt ein unglückliches Leben als Hausfrau. Ihre Begegnung mit Solal entfaltet sich zunächst als eine aufregende Affäre, die schnell in eine obsessive Leidenschaft umschlägt.

Die Beziehung zwischen Solal und Ariane wird von intensiven Emotionen geprägt. Anfangs erleben sie eine berauschende Liebe, die jedoch bald von Eifersucht, Missverständnissen und dem Druck der gesellschaftlichen Erwartungen überschattet wird. Cohen beschreibt diese Dynamik mit einer bemerkenswerten sprachlichen Finesse und schafft es, die innere Zerrissenheit seiner Charaktere greifbar zu machen. Die anfängliche Lust verwandelt sich in Qual, während beide verzweifelt versuchen, ihre Liebe aufrechtzuerhalten.

Ein zentrales Thema des Romans ist die Auseinandersetzung mit Identität und Zugehörigkeit. Solal kämpft mit seiner jüdischen Identität in einer zunehmend feindlichen Welt, während Ariane mit den Erwartungen ihrer sozialen Schicht ringt. Diese Konflikte werden durch die bevorstehenden politischen Umwälzungen in Europa verstärkt, was dem Werk eine zusätzliche Dimension verleiht.

Cohens Meisterwerk gilt als einer der größten Liebesromane des 20. Jahrhunderts. Die Mischung aus erotischer Intensität, psychologischer Tiefe und sozialer Kritik macht „Die Schöne des Herrn“ zu einem zeitlosen Klassiker. Der Roman thematisiert nicht nur individuelle Schicksale, sondern reflektiert auch das Schicksal des europäischen Judentums vor dem Hintergrund des aufkommenden Totalitarismus.

Insgesamt ist „Die Schöne des Herrn“ ein vielschichtiger Roman, der sowohl die Höhen als auch die Tiefen menschlicher Beziehungen beleuchtet und den Leser dazu anregt, über Liebe, Verlust und Identität nachzudenken. Cohens Fähigkeit, komplexe Emotionen darzustellen und gleichzeitig gesellschaftliche Themen zu behandeln, macht dieses Werk zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Literatur.


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