Katz und Maus

Günter Grass‘ Novelle Katz und Maus, veröffentlicht im Jahr 1961, ist ein zentrales Werk der Nachkriegsliteratur und Teil seiner Danziger Trilogie. Die Geschichte spielt in Danzig während des Zweiten Weltkriegs und wird aus der Perspektive von Heini Pilenz erzählt, der als Chronist der Ereignisse fungiert, die sich um seinen Schulfreund Joachim Mahlke ranken. Mahlke ist ein Außenseiter, dessen markantes Merkmal ein übergroßer Adamsapfel ist, den er verzweifelt zu verbergen versucht. Diese körperliche Auffälligkeit macht ihn zum Ziel von Spott und Mobbing unter seinen Mitschülern.

Die Beziehung zwischen Pilenz und Mahlke ist komplex und von Schuldgefühlen geprägt. Pilenz reflektiert über seine Rolle in Mahlkes Leben und die Dynamik ihrer Freundschaft, die von Bewunderung und Abneigung gleichermaßen geprägt ist. Mahlke, der durch seinen Fleiß und seine Willenskraft zum sportlichen Erfolg gelangt, sehnt sich nach Anerkennung und Liebe, bleibt jedoch letztlich isoliert. Sein Streben nach Akzeptanz führt ihn zu einem verhängnisvollen Diebstahl eines Ritterkreuzes, der sein Leben für immer verändern wird.

Ein zentrales Thema der Novelle ist das Spiel zwischen Jäger und Gejagtem, symbolisiert durch den Titel Katz und Maus. Dies spiegelt sich nicht nur in der Beziehung zwischen den Protagonisten wider, sondern auch in der gesellschaftlichen Realität der damaligen Zeit. Die Erzählung thematisiert die Herausforderungen des Erwachsenwerdens in einem von Krieg und Unsicherheit geprägten Umfeld. Grass nutzt autobiografische Elemente, um die Banalität des Bösen darzustellen, die im deutschen Nationalsozialismus verwurzelt ist.

Die Novelle ist in einer Rückblende strukturiert und besteht aus mehreren Kapiteln, die den inneren Konflikt von Mahlke sowie die moralischen Dilemmata seiner Zeit beleuchten. Durch die Ich-Perspektive wird der Leser in die Gedankenwelt von Pilenz eingeführt, was eine tiefere emotionale Verbindung zur Thematik herstellt.

Grass‘ Katz und Maus bleibt ein eindringliches Porträt von Individualität und Schuld, das die Leser dazu anregt, über die Auswirkungen des Krieges auf das persönliche Leben nachzudenken. Die Novelle zeigt eindrucksvoll, wie persönliche Schicksale im Kontext historischer Ereignisse stehen und wie das Streben nach Identität oft mit schmerzhaften Entscheidungen verbunden ist.


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