Shikasta

Doris Lessings Shikasta, veröffentlicht 1979, ist der erste Band des fünfteiligen Zyklus Canopus im Argos: Archive und wird oft als ein Meilenstein der Science-Fiction-Literatur betrachtet. Der Roman erzählt die Geschichte von Rohanda, einem einst blühenden Planeten, der durch kosmische Umstände und den Einfluss einer böswilligen Macht, Shammat, in einen Zustand des Verfalls und der Zerstörung übergeht. Der Protagonist Johor, ein Botschafter von Canopus, wird auf verschiedene Weisen in die Geschichte von Shikasta eingeführt, sowohl durch direkte Besuche als auch durch Inkarnationen in den Bewohnern des Planeten.

Die Erzählstruktur von Shikasta ist außergewöhnlich vielschichtig. Lessing verwendet eine Kombination aus fiktiven Aufzeichnungen, Tagebüchern und Berichten, die verschiedene Perspektiven auf die Geschehnisse bieten. Diese Technik ermöglicht es dem Leser, die komplexen sozialen und politischen Strukturen Shikastas zu verstehen und die tiefgreifenden moralischen Fragen zu erfassen, die Lessing aufwirft. Die Handlung entfaltet sich in verschiedenen Zeitebenen und wechselt zwischen emotionalen Erzählungen und analytischen Kommentaren.

Ein zentrales Thema des Buches ist das Konzept des „Wir-Gefühls“ (SUWG), das als essentielle Energie beschrieben wird, die das Leben auf Rohanda harmonisch miteinander verbindet. Der Verlust dieses Gefühls führt zur Degeneration der Gesellschaft und zur Zunahme von Egoismus und Gier. Lessing kritisiert damit nicht nur die menschliche Natur, sondern bietet auch eine tiefere Analyse der gesellschaftlichen Strukturen und deren Auswirkungen auf das individuelle Verhalten.

Im Verlauf des Romans wird deutlich, dass die Menschheit an einem Wendepunkt steht. Johors Mission ist es, den Menschen zu helfen, sich an ihre wahre Natur zu erinnern und das verlorene Wir-Gefühl wiederherzustellen. Trotz der düsteren Perspektiven bleibt Lessings Erzählung von einer tiefen Menschlichkeit geprägt. Sie vermittelt die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist und dass die Menschen aus ihren Fehlern lernen können.

Shikasta ist somit nicht nur ein Science-Fiction-Roman im klassischen Sinne; es ist ein sozialkritisches Werk, das universelle Themen wie Identität, Gemeinschaft und den Kampf zwischen Gut und Böse behandelt. Lessings Fähigkeit, komplexe Ideen in eine fesselnde Erzählung zu verweben, macht Shikasta zu einem zeitlosen Klassiker der Literatur.


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