Korrektur

Thomas Bernhards Roman Korrektur, erstmals 1975 veröffentlicht, ist ein komplexes Werk, das sich mit Themen wie Identität, Herkunft und dem Streben nach individueller Vollkommenheit auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht der Protagonist Roithamer, ein in Cambridge lehrender Naturwissenschaftler, der aus einer wohlhabenden Familie stammt. Er hat ein radikal geometrisches Wohnhaus, einen Kegel, für seine Schwester in Altensam errichtet. Der Bau dieses Kegels wird zum Symbol für Roithamers innere Konflikte und seinen Wunsch, sich von seiner familiären Vergangenheit zu lösen.

Die Handlung des Romans entfaltet sich in zwei Teilen. Im ersten Teil versucht ein enger Freund Roithamers, dessen Nachlass zu sichten und zu ordnen. Diese Rückschau auf Roithamers Leben und seine Gedanken wird von einem Gefühl der Melancholie durchzogen. Der Freund ist mit den Manuskripten konfrontiert, die Roithamer hinterlassen hat, und die von dessen ständigen Korrekturen zeugen. Diese Korrekturen sind nicht nur literarischer Natur; sie spiegeln Roithamers verzweifelten Versuch wider, sein Leben und seine Entscheidungen zu rechtfertigen.

Im zweiten Teil des Romans wird Roithamers Denken und Fühlen direkt durch seine Aufzeichnungen vermittelt. Hier wird deutlich, dass der Kegel nicht nur ein architektonisches Projekt ist, sondern auch eine Manifestation von Roithamers innerem Streben nach Freiheit und Selbstverwirklichung. Seine Schwester, die einzige Person, die ihn wirklich versteht und liebt, stirbt jedoch kurz nach dem Einzug in den Kegel. Diese Tragödie führt Roithamer in eine existenzielle Krise und er interpretiert den Tod seiner Schwester als eine Art endgültige Korrektur seines Lebens.

Bernhards Stil ist geprägt von einer dichten Sprache und einem ständigen Spiel mit Wiederholungen und Variationen. Diese Technik verstärkt das Gefühl der inneren Zerrissenheit des Protagonisten und lässt den Leser an seinen gedanklichen Prozessen teilhaben. Die philosophischen Untertöne des Romans, die an den österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein angelehnt sind, fordern den Leser heraus, über die Grenzen der Sprache und die Möglichkeiten der Kommunikation nachzudenken.

Insgesamt ist Korrektur ein tiefgründiges Werk über das Streben nach Identität und die Unmöglichkeit der vollkommenen Selbstkorrektur. Bernhard gelingt es meisterhaft, die Komplexität menschlicher Beziehungen und die Tragik des Lebens in einer eindringlichen Erzählweise darzustellen.


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