Toni Morrisons Roman Sula, veröffentlicht 1973, ist ein tiefgründiges Werk, das die komplexe Beziehung zwischen zwei Frauen, Nel und Sula, thematisiert. Die Geschichte spielt in der fiktiven Stadt Bottom in Ohio und beginnt mit der Kindheit der beiden Protagonistinnen. Nel, die sich an gesellschaftliche Normen hält, und Sula, die als Rebellin gilt, wachsen in einer von Armut geprägten Umgebung auf. Ihre Freundschaft ist intensiv und von einer tiefen emotionalen Bindung geprägt. Doch während Nel den traditionellen Lebensweg wählt und eine Familie gründet, bricht Sula mit den Konventionen und strebt nach persönlicher Freiheit.
Nach zehn Jahren kehrt Sula in ihre Heimatstadt zurück, verändert und unkonventionell. Ihre Rückkehr führt zu Spannungen zwischen den beiden Frauen, insbesondere als Sula eine Affäre mit Nels Ehemann Jude beginnt. Diese Handlung wird zum zentralen Konflikt des Romans und symbolisiert den Bruch in ihrer Freundschaft. Sula wird von der Gemeinschaft zunehmend als das personifizierte Böse wahrgenommen, was ihre Isolation verstärkt. Die Dorfbewohner projizieren ihre eigenen Ängste und Unsicherheiten auf sie und nutzen sie als Sündenbock für ihre eigenen Probleme.
Morrison untersucht in Sula die Themen Freundschaft, Verrat und die Suche nach Identität. Die Beziehung zwischen Nel und Sula spiegelt nicht nur persönliche Konflikte wider, sondern auch gesellschaftliche Normen und Erwartungen. Während Nel versucht, sich in die Rolle der Ehefrau und Mutter einzufügen, bleibt Sula ihrem individuellen Lebensstil treu. Diese Divergenz führt zu einem tiefen emotionalen Riss zwischen den beiden Frauen.
Der Roman endet tragisch mit Sulas Tod in Einsamkeit und Nels schmerzlicher Erkenntnis über den Verlust ihrer Freundschaft. Nel erkennt schließlich die Bedeutung ihrer gemeinsamen Vergangenheit und die Liebe, die sie für Sula empfand. Sula ist nicht nur eine Geschichte über zwei Frauen; es ist eine Erkundung der menschlichen Beziehungen, der Komplexität von Gut und Böse sowie der Herausforderungen, die mit dem Streben nach persönlicher Freiheit verbunden sind.
Morrisons meisterhafte Erzählweise und die tiefgründige Charakterentwicklung machen Sula zu einem zeitlosen Werk, das Leser dazu anregt, über die Natur von Freundschaft und Identität nachzudenken.
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