Richard Brautigans Roman In Wassermelonen Zucker ist ein faszinierendes Werk, das in der surrealen Welt einer fiktiven Kommune spielt, die den gleichen Namen trägt. Die Geschichte entfaltet sich in einem idyllischen, aber zugleich skurrilen Umfeld, in dem die Sonne jeden Tag eine andere Farbe hat und Flüsse durch die Wohnzimmer der Bewohner fließen. Diese einzigartige Szenerie spiegelt den Geist der 1960er Jahre wider, als Brautigan in Bolinas, Kalifornien, lebte und von der Gegenkultur dieser Zeit inspiriert wurde.
Der Erzähler des Romans ist ein Schriftsteller, der in der Kommune lebt und versucht, ein Buch zu schreiben. Diese Metanarration ist ein zentrales Element des Werkes, da sie die Themen Kreativität und das Streben nach Sinn in einer chaotischen Welt beleuchtet. Die Kommune selbst ist eine Gemeinschaft von Individuen, die in Harmonie zusammenleben und sich den konventionellen Normen der Gesellschaft entziehen. Hier wird das Leben von einem Gefühl der Freiheit und des Experimentierens geprägt, was sich in den einzigartigen Lebensweisen der Charaktere zeigt.
Die Beziehungen innerhalb der Kommune sind komplex. Besonders bemerkenswert ist die Beziehung zwischen dem Erzähler und seiner Freundin Margaret, die zunehmend in den „Vergessenen Werken“ gefangen ist – einer Metapher für das Vergessen und die Abkehr von der Realität. Diese Dynamik bringt Spannungen und Konflikte in die ansonsten harmonische Gemeinschaft. Die Bewohner kämpfen nicht nur mit inneren Konflikten, sondern auch mit äußeren Bedrohungen, symbolisiert durch eine Gang, die die Idylle stört.
Brautigans Prosa ist geprägt von einer poetischen Einfachheit und einem tiefen Sinn für Humor. Er schafft es, ernsthafte Themen wie Liebe, Verlust und das Streben nach Glück auf eine zugängliche Weise zu behandeln. Die wiederkehrende Symbolik des „Wassermelonen Zuckers“ steht für das Streben nach einer idealisierten Realität, die sowohl traumhaft als auch flüchtig ist.
Insgesamt bietet In Wassermelonen Zucker einen tiefen Einblick in die menschliche Natur und die Suche nach Identität und Gemeinschaft. Es ist ein zeitloses Werk, das sowohl als Liebesgeschichte als auch als kritische Auseinandersetzung mit der Subkultur der 60er Jahre gelesen werden kann. Brautigan gelingt es, eine Welt zu schaffen, die sowohl anziehend als auch unerreichbar erscheint – ein Ort voller Möglichkeiten und gleichzeitig voller Herausforderungen.
Schreibe einen Kommentar