Peter Ackroyds Roman „Wie es uns gefällt“ entführt den Leser in das pulsierende London des späten 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Geschwister Mary und Charles Lamb, die in einem von geistiger Umnachtung und Bigotterie geprägten Elternhaus aufwachsen. Trotz ihrer beengten Lebensumstände finden die beiden in der Welt der Literatur und Philosophie einen Zufluchtsort.
Mary, der als Mädchen eine formelle Bildung verwehrt bleibt, entwickelt einen unstillbaren Wissensdurst. Sie wartet jeden Abend ungeduldig auf die Rückkehr ihres Bruders Charles von seiner eintönigen Arbeit, um mit ihm über Literatur zu diskutieren. Bald schon kann sie mit seinem Wissen mühelos mithalten.
Die Handlung nimmt eine dramatische Wendung, als Mary den Buchhändler William Ireland kennenlernt. Dieser behauptet, einen bisher unbekannten Komödientext von William Shakespeare entdeckt zu haben. Die Geschwister Lamb werden von einer regelrechten Shakespeare-Euphorie erfasst und sehen sich plötzlich selbst als Akteure in einem großen Spiel.
Ackroyd verwebt geschickt historische Fakten mit fiktiven Elementen. Er bezieht sich auf die reale Person des William Ireland, der tatsächlich als Fälscher von Shakespeare-Autografen und -Texten in die Geschichte einging. Der Autor zeichnet ein lebendiges Bild des damaligen Londons, seiner Kaschemmen und des literarischen Milieus.
Die Beziehung zwischen Mary und William entwickelt sich zu einer komplexen Verbindung aus Liebe, Täuschung und intellektuellem Austausch. Ackroyd nutzt diese Konstellation, um Themen wie Authentizität, künstlerische Kreativität und die Macht der Illusion zu erkunden.
Der Roman ist nicht nur eine fesselnde Geschichte, sondern auch eine Hommage an die Kraft der Literatur. Er zeigt, wie Bücher und Ideen das Leben der Protagonisten formen und ihnen einen Ausweg aus ihrer bedrückenden Realität bieten.
Ackroyds Stil zeichnet sich durch detailreiche Beschreibungen und eine atmosphärische Dichte aus. Er fängt die Stimmung der Zeit ein und lässt die Leser in die Gedankenwelt der Charaktere eintauchen. Dabei gelingt es ihm, die Grenze zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion gekonnt zu verwischen.
„Wie es uns gefällt“ ist ein vielschichtiger Roman, der Elemente des historischen Krimis mit einer Reflexion über die Natur der Kunst verbindet. Er lädt dazu ein, über die Grenzen zwischen Original und Fälschung, zwischen Wahrheit und Täuschung nachzudenken. Ackroyd schafft es, eine faszinierende Geschichte zu erzählen und gleichzeitig ein Porträt einer Epoche zu zeichnen, in der die Begeisterung für Shakespeare neue Höhen erreichte.
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